Nach dem griechischen Philosophen Aristoteles beginnt alle Philosophie genau damit: mit dem Sich-Wundern über das unmittelbar Greifbare. Tatsächlich bildet das Infragestellen des Selbstverständlichen das Zentrum der Philosophie. Der natürliche Gegensatz dazu ist die Gewöhnung an die Welt, das Hinnehmen der Dinge. Kinder und Jugendliche sind in aller Regel noch zu jung, um sich wirklich an diese Welt gewöhnt zu haben, und zu kritisch, um Dinge einfach als gegeben hinzunehmen. So ist die Philosophie eine Disziplin, die naturgemäß nah an unseren Schülerinnen und Schülern ist.
Das Fach Philosophie kann an der Neuen Oberschule ab der Jahrgang 11 als Alternative zum Religions- und Werte-und-Normen-Unterricht gewählt und bis zum Abitur als Ergänzungs- oder Prüfungsfach auf grundlegendem Niveau belegt werden. Nach einer Einführung in das Wesen und die Methoden des Faches werden im Unterricht grundlegende Fragen der menschlichen Existenz (z.B. nach Wahrheit, Gott, dem Schönen oder auch dem gelingenden Leben) von den Schülerinnen und Schülern gestellt und bearbeitet. Diese orientieren sich an den vier Fragen, mit denen der Philosoph Kant die gesamte Philosophie ordnete:
- Was kann ich wissen? (u.a. Erkenntnistheorie)
- Was darf ich hoffen? (u.a. Metaphysik, Religionsphilosophie)
- Was soll ich tun? (Ethik)
- Was ist der Mensch? (philosophische Anthropologie)
Auf Grundlage philosophischer Texte von der Antike bis zu Gegenwart und neueren Medien wie Filmen, Musik und Werken der bildenden Kunst werden die Fragen reflektiert und tiefere Einsichten gewonnen. Dabei erleben unsere Schülerinnen und Schüler bei ihrer Suche nach Antworten die Philosophie oftmals als einen „Kampfplatz unendlicher Streitigkeiten“ (Kant), der von ihnen als Feld der Möglichkeiten erschlossen wird. Das übergeordnete Ziel ist es dabei, kritisch einen eigenen begründeten Standort zu entwickeln und zugleich seine eigene geistige Beweglichkeit und Flexibilität weiter herauszubilden.
Da die Philosophie die letzten Fragen stellt, ist dieses Fach per se interdisziplinär, so dass Erkenntnisse aller anderen Fächer mit einbezogen werden. Methodisch bildet im Unterricht das Gespräch als die gemeinsame Suche nach Wahrheit und Erkenntnis die Grundlage des Philosophierens. Dass jede Antwort dabei neue Fragen aufwirft, ist nicht Problem, sondern Vorzug dieses Faches.